Muss man heute tatsächlich noch ein Wort über die angemessene Kleidung für eine Kammerprüfung verlieren? Es kommt doch darauf an, was der Prüfungskandidat kann und nicht welche Schuhe er an hat.
Mit diesem Beitrag möchte ich mich dem Thema aus zwei Richtungen nähern, um zu verdeutlichen, dass die Kleidung neben dem Auftreten eben doch eine nicht unerhebliche Rolle spielt.
Zunächst einmal muss sich jeder Prüfungskandidat verdeutlichen, dass ihn die Prüfer nicht persönlich kennen. Die Prüfer kennen den Projektantrag und die Projektdokumentation, je nach dem Verfahren der jeweiligen Kammer die Prüfungsbögen der Teile GA1 und GA2 der schriftlichen Prüfung. Bis zum Zeitpunkt der mündlichen Prüfung konnten sich die Prüfer nur anhand dieser Dokumente ein Bild von den fachlichen Fähigkeiten und der Sorgfalt der Arbeit des Kandidaten machen. Während der Präsentation und des Fachgespräches hat der Prüfungskandidat wiederum nur etwa 20 Minuten Zeit, um sich und sein Projekt vorzustellen. Die formalen Rahmenbedingungen der Prüfung sind zwar so angelegt, dass vor allem die fachlichen Fähigkeiten und die berufliche Handlungskompetenz des Kandidaten bewertet werden. Dennoch ist eine mündliche Prüfung von Menschen durch Menschen niemals objektiv, bestenfalls objektiviert. Man mag es daher bedauern oder begrüßen: Es ist eine Binsenweisheit, dass gerade in der beschriebenen Situation auch “der erste persönliche Eindruck zählt”.
Ob nun Kaufmann oder Fachinformatiker – die Bandbreite des möglichen Arbeitsumfeldes ist gerade in den IT-Berufen sehr groß und reicht von dem spezialisierten “Think Tank” ohne Publikumsverkehr bis hin zum Systemhaus mit Kunden im Bankenumfeld. Zudem handelt es sich bei dem IT-Fachinformatiker mitnichten um einen reinen “Blue Color” Beruf. Vielmehr wird von den Prüfungskandidaten aller IT-Berufe erwartet, dass sie sich in der Zukunft auch in einem Arbeitsumfeld mit einem definierten “Dress Code” einfügen können.
Nicht zuletzt ist eine Auswahl der Kleidung, die dem Anlass einer mündlichen Kammerprüfung angemessen ist, auch ein Ausdruck des Respektes gegenüber den Prüfern.
Letztlich ist jede Kleidung auch immer eine Verkleidung – es kommt lediglich darauf an, dass man die für den Anlass und das Umfeld angemessene Verkleidung wählt.
“No T-Shirt, no Tennis Shoes”
Dem Anlass einer mündlichen Abschlussprüfung angemessen ist sicherlich zumindest ein einfarbiges Hemd, eine dunkle Hose und entsprechende Schuhe. Für die angemessene Kleidung hinsichtlich des jeweiligen Berufsbildes lässt sich zumindest eine einfache Regel definieren:
Umso mehr das jeweilige Berufsbild in die kaufmännischen Berufsbilder hinein ragt, umso formeller sollte die Kleidung sein.
Der zukünftige Systemelektroniker und die zukünftige Systemelektronikerin kann es also eher bei einer Kleidung belassen, die vor allem ordentlich und aufgeräumt wirkt: Hemd oder Bluse, dunkle Hose, dunkle Schuhe.
Schon der zukünftige Fachinformatiker und die zukünftige Fachinformatikerin muss sich im klaren darüber sein, dass ihr Berufsbild wesentliche kaufmännische Anteile beinhaltet. Angemessen ist hier also durchaus eine Krawatte für den zukünftigen Fachinformatiker, Hemd oder Bluse, dunkle Hose oder Rock, Sacco oder Blazer.
Für die zukünftigen Kaufmänner und Kauffrauen empfiehlt sich, entsprechend den Erwartungen, die an das des Berufsbild gestellt werden, einen Anzug oder ein Kostüm zur mündlichen Prüfung anzuziehen.
Eine Regel gilt jedoch für alle Berufe: Im Zweifel sollte man sich für die Kleidung entscheiden, in der man sich auch wohl fühlt, die dabei aber wenigstens die beschriebenen Mindestanforderungen, “no T-Shirt, no Tennis Shoes” erfüllt!
Thema der nächsten Veröffentlichung in dieser Kategorie:
Die Sache mit dem Schmuck bei der mündlichen Prüfung
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